Die alte St. Jakobshalle wird von Grund auf saniert. Am Freitag war Grundsteinlegung – für einmal eine spezielle Angelegenheit, denn der Grundstein ist gleichzeitig ein Kunstwerk. Künstler Eric Hattan hat uns sein Projekt erklärt. Von Karen N. Gerig

Mit Kunst am Bau ist das so eine Sache. Meist steht da ein fertiger Bau, und dann wird ein Künstler beauftragt, ein schönes Bild für die Rückwand der Schwimmhalle oder den Eingangsbereich zu fertigen. Der Vorteil davon: Gefällt das Werk nicht mehr, kann es entfernt werden. In den meisten Fällen wird es gar zerstört, so wie beispielsweise die Skulptur von Owski Kobalt, die früher vor der St. Jakobhalle stand und weichen musste, als die Halle rollstuhlgängig gemacht wurde. Weiterverwenden liess das Kunstwerk sich nicht, weil es spezifisch für diesen Ort geschaffen worden war.

Inzwischen wurden ganze Teile der Halle plattgemacht – damit sie nach einem Plan der Architektenteams Degelo und Berrel umgebaut, saniert und modernisiert werden kann. Und an die Kunst am Bau hat man diesmal früh gedacht: Ein Wettbewerb auf Einladung wurde von Eric Hattan gewonnen, und der hat sich, weil er die Geschichte von Owski Kobalt kannte, etwas ganz Besonderes ausgedacht: «Ich wollte etwas beitragen, das in die Architektur integriert ist und nicht nachträglich angebracht wird», sagt der Künstler.

Ausgesucht hat er sich deshalb ein Element, das in keinem Bau fehlen darf: den Grundstein. Nicht so ein kleines ziegelförmiges Ding, in das man Dokumente einschliesst, bevor man es vergräbt. Sondern einen grossen Stein, einen Findling, der laut Projektbeschrieb die «ungefähren Masse 350 x 280 x 200 cm» besitzen sollte. Und auf den die tragende Säule des gesamten Hallendaches gesetzt wird.

Eine Idee, die Baudirektor Hans-Peter Wessels gefällt: «Das Werk ‹Unverrückbar› zeugt von einer guten Prise Humor des Künstlers: Hier ist ein gewaltiger Stein, der unter einer tragenden Säule steht und nicht mehr umplaziert werden kann. Kunst, die bleibt, also.» Komme dazu: «Eine klassische Grundsteinlegung bleibt uns bei der St. Jakobshalle, die keinen Keller hat und bei deren Sanierung kein Aushub stattfindet, verwehrt. Umso schöner ist nun die Setzung dieses sehr eindrücklichen Grundsteins.»

Ein Findling aus dem Gotthardmassiv ist es, der von einem Eisgletscher bis in die Gegend um Brugg getragen wurde und nun am Freitagmorgen nach Basel transportiert und am neuen Ort platziert wurde. Zutage gefördert wurde der Stein vor ein paar Jahren beim Aushub für ein Einfamilienhaus – und weil er so hart war, dass er nicht gespalten und vor Ort verkleinert worden konnte, landete er am Rand einer Kiesgrube, wo Eric Hattan ihn per Zufall beim Vorbeifahren aus dem Autofenster heraus entdeckte.

Lange Suche nach dem richtigen Stein

Anfang 2015 wars, als Eric Hattan uns erstmals von seinem Projekt erzählte. Er steckte gerade mitten in der Suche nach diesem Findling. Viel schwerer als gedacht habe sich das herausgestellt, meinte er damals. Denn Findlinge sind im Normalfall geschützt und dürfen nicht abtransportiert werden – «was ich vorher nicht wusste». Also streckte der Künstler seine Fühler in andere Länder aus; bis nach Island wäre er in der Not zu gehen bereit gewesen.

Den ersten möglichen Kandidaten fand er dann mittels Google-Suche – «Findling bergen» – irgendwo in einem Garten in Norddeutschland. Eine Anfrage bei den Bewohnern ergab, dass keiner eine Ahnung hatte, wem der Stein eigentlich gehört. Das Amt entschied schliesslich: «Natürlich ist der geschützt!» Ende der Fahnenstange. Eine zweite Suche im Tessin verlief aus Kostengründen ebenfalls ergebnislos.

Bis die Autofahrt im Aargauischen den Zufallstreffer brachte: ein Stein, rund 25 Tonnen schwer und ungefähr 3 x 4 x 2 Meter gross. Nicht so rund wie auf dem Projektbeschrieb, aber trotzdem geeignet.

Dieser Stein wurde jetzt auf der Baustelle der St. Jakobshalle platziert. In der Luft hängend. Warum? «Meine Vorstellung war, dass man den Stein auf den Boden legt und dann die Säule darauf platziert», sagt Hattan. Doch er lag falsch.

«Das Dach dehnt sich bei Temperaturunterschieden aus oder zieht sich zusammen. Die Säule beziehungsweise der Stein darunter muss diese Bewegung mitmachen.» Folglich muss der Stein untergossen werden, in eine flexible Unterschicht, die die gesamte Säule notfalls um wenige Millimeter schwingen lässt.

«Ich habe viel über Steine und Ingenieurskunst gelernt», sagt Hattan und lacht. Damit der Stein sich bewegen kann, muss er nun mit der Säule fix verbunden werden. Das geschieht mittels Stahlträger, und dazu wiederum muss ein Loch in die Mitte des Findlings gebohrt werden. Das ist nicht ohne Risiko, denn durch die Härte des Steins besteht die Gefahr, dass er auseinanderbricht. Drücken wir also die Daumen – denn einen Plan B oder einen Ersatzstein gibt es nicht.