Werner Reiterer
Erwarten Sie Wunder! Das Museum als Kuriositätenkabinett & Wunderkammer

20 May - 15 October 2017
Opening Friday, 19 May 2017, 6:00 pm
Group exhibition

Museum Ulm, Ulm, Germany

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Neugierde, Curiositas—im Mittelalter noch als Sünde verdammt—wurde zum Hauptauslöser für die Erfindung der Kunst- und Wunderkammern im 16. Jahrhundert. Diese staunenswerten Ansammlungen von Raritäten und Kuriositäten aus fremden Ländern und Regionen gelten als Keimzellen unserer heutigen Museen. Insbesondere der Hochadel und das prosperierende Bürgertum nördlich der Alpen richteten als Zeichen herrschaftlichen Anspruchs und Zeugnis humanistischer Bildung repräsentative Sammlungsräume und Studierzimmer ein, in denen ein Panoptikum als enzyklopädischer Ausschnitt aus der unendlichen Vielfalt des Universums festgehalten wurde und sich im Kleinen die Ordnung des göttlichen Schöpfungswerks spiegelte.

Mit der Aufklärung gerieten Kunst- und Wunderkammern aus der Mode. Kaum ein Beispiel aus Renaissance oder Barock ist im Original erhalten. So können wir heute nur erahnen, wie Welt damals komponiert, verstanden und gedeutet wurde. Eine der seltenen zeitgenössischen Abbildungen befindet sich im Museum Ulm: die Miniatur der Dimpfelschen Kunst- und Naturalienkammer aus dem Jahre 1668. Und mit der Weickmannschen Wunderkammer, die zu den wenigen erhaltenen Beispielen bürgerlichen Sammelns des 17. Jahrhunderts zählt, verfügt das Museum Ulm über einen einzigartige Bestand von herausragender internationaler Bedeutung. Rund 100 Exponate, darunter die weltweit ältesten datierbaren Textilien und Schnitzwerke aus Westafrika, orientalische Lackarbeiten, Samenfigürchen und eine Weltchronik in Gestalt eines Fliegenwedels, umfasst heute das Konvolut, das Christoph Weickmann ab 1653 zu sammeln begann und bereits 1655 in einem Katalog veröffentlichte.

Christoph Weickmanns Wunderkammer und ihre Neuinszenierung bilden den Ausgangspunkt der Sonderausstellung, welche die Lust am Staunen über die künstlerischen Phänomene dieser Welt thematisiert. Den Ordnungskategorien der historischen Kuriositätenkabinette—Naturalia, Mirabilia, Artefacta, Scientifica, Antiquites und Exotica—folgend, lassen zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit rätselhaften Kunststücken, mysteriösen Naturphantasien, unergründlichen Bilderwelten und wundersamen Gerätschaften einen Kosmos des Unvergleichlichen wieder auferstehen.

In der virtuellen Welt des postfaktischen Medienzeitalters steht dem Menschen des 21. Jahrhunderts der Sinn nach den greifbaren Dingen, die durch ihre machtvolle Unmittelbarkeit bestechen und durch ihre Originalität auffallen. Die Bildende Kunst bietet hier die Plattform für ein Abenteuer, das wir erleben, wenn wir uns auf sie einlassen. Sie nimmt uns mit in eine andere Welt der nie versiegenden menschlichen Kreativität.

Kader Attia / Stefan Bircheneder / Nicola Bolla / Gerd Bonfert / Chris Eckert / David Falconer / Thomas Grünfeld / Christoph Knecht / Brigitte Kowanz / Alicja Kwade / Chris Larson / Bernhard Leitner / Ruth Marten / Kate MccGwire / Mathieu Mercier / Tony Oursler / Werner Reiterer / Georgia Russell / Iris Schieferstein / Björn Schülke / Christa Sommerer & Laurent Mignonneau / Yoshihiro Suda / Nick Veasey / Neringa Vasiliauskaité / Not Vital / Günter Weseler