Simone Holliger
Struggling structures

19 September 2020 - 8 November 2020
Group exhibition

Kunst Raum Riehen, Riehen, Switzerland

Artist Page: 

Alfredo Aceto – «Kevin»
Simone Holliger – «Struggling structures»
Raphael Linsi – «Answering phone calls by email»
Marie Matusz – «Épochè»

Kuratiert von Kiki Seiler-Michalitsi

Die vier Einzelausstellungen im Herbst sind Vertreterinnen und Vertretern einer jungen Künstlergeneration gewidmet, die sich so zum ersten Mal in einer gemeinsamen Ausstellung begegnen. Trotz Verschiedenheit in der künstlerischen Praxis gelangt dabei nicht nur das spezifisch Eigene, sondern auch das unvermeidlich Gemeinsame, wie konzeptuelles, auf Kunst und Gesellschaft reflexives Denken, zur Darstellung.

Alfredo Aceto (*1991 in Turin/IT, lebt in Lausanne) arbeitet mit unterschiedlichen Medien, wie Malerei, Skulptur, Zeichnung, Film und Ton. Seine Skulpturen, oft vergrösserte Remakes von Repräsentationen von Gegenständen, bewegen sich zwischen Utopie und Realität, sind ephemere Trugbilder einer surrealen Warenwelt, von popartiger, dekorativer Qualität bzw. in Industrie-Ästhetik. Ihrer ursprünglichen Bestimmung bzw. Bedeutung entledigt, mit Anekdotischem oder kunstgeschichtlichen Referenzen gespickt, spielen sie auf Zeit, Erinnerung und Begehren an, mutieren zu inszenierten, humorvollen Konfigurationen ihrer Selbst.

Simone Holligers (*1986 in Aarau, lebt in Basel) künstlerisches Schaffen handelt von Materialrecherchen, welchen die Zeichnung zur Formfindung von räumlichen Ausführungen zugrunde liegt. Seit einigen Jahren bedient sie sich dabei des Werkstoffs Papier nicht mehr nur als Bildträger, sondern vorwiegend als Baumaterial. Daraus entstehen kleinere oder sperrige dreidimensionale bzw. Gestalten-ähnliche Formen von prekärem Gleichgewicht, die zwischen Fragilität und Stabilität, Leichtigkeit und Schwere, zwischen Zeichnung, Malerei und Skulptur oszillieren und als Raumzeichnungen, Reliefs, Skulpturen oder Rauminstallationen wahrgenommen werden. Der Dialog mit Material, dessen Eigenschaften, Möglichkeiten und Grenzen prägen dabei den Schaffensprozess.

In seinen konzeptuell erdachten Arbeiten (Fotografie, Video, Skulptur, Installation) beschäftigt sich Raphael Linsi (*1982 in Zürich, lebt in Berlin) mit Repräsentationsformen subjektiver Wahrnehmung und ihrer Relation zum Dokumentarischen. Er portraitiert seine Umgebung redundant, verliert sich, wiederholt sich, hält an Details fest, beginnt wieder von vorne und macht über diese Prozesse feinste Veränderungen sichtbar. In Raumkompositionen von rätselhafter Poesie werden dabei oft Dinge des täglichen Gebrauchs, Ephemeres bzw. Erinnerungen-Weckendes hervorgehoben, zu autonomen Artefakten transformiert und in dokumentarisch-fiktive Narrationen eingeflochten.

Konzeptuelle Recherchen, inspiriert von Philosophie, Linguistik und Phänomenologie, prägen das Werk (Skulpturen und Installationen) von Marie Matusz (*1994 in Toulouse/FR, lebt in Basel). Eine Affinität zu allegorischem Denken und Geschichte, wie auch Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Natur, über den Einfluss von Raum und Klang auf den menschlichen Körper, führen zudem zu zunächst rätselhaft anmutenden Objekten und Skulpturen, die Fragenstellungen formulieren, resp. Denkanstösse auslösen. Aus industriell gefertigten Materialien, wie Aluminium, Edelstahl, Glas, Spiegel, synthetische Stoffe u.a. entstehen Werke von intellektueller Verspieltheit, die in reduzierter Formensprache auf Architekturgegebenheiten bzw. Ausstellungsort reagieren. Töne und Geräusche sind weitere wiederkehrende Elemente im Werk der jungen Künstlerin.