- Dates28 August 2026 - 31 October 2026
- Opening receptionThursday, 27 August 2026, 5:00 pm - 8:00 pm
- Artists
Finissage:
Saturday, 31 October 2026, 2 – 5 pm
Maintenance 3 stellt den prekären ontologischen Status von Kunstwerken (und Alltagsgegenständen) zur Schau.(1) Eigene Werke, Fragmente aus der Produktion, Ready-Mades, private Aufnahmen und Zeichnungen, die bis in Müllers Jugend zurückreichen, sind angeordnet wie in einem Studio-/Lagerraum. Es ist ein barockes Projekt, überbordend und hinfällig; kühle, auto-referentielle Dekonstruktion und Elegie über die Entropie. Die Vergänglichkeit jegliches symbolischen Systems und jeglichen kommunikativen lebensweltlichen Zusammenhangs schwebt über der Ausstellung. Sie feiert «Das dunkle Fest des Lebens» (Gerhard Meier).
Die Arbeiten an den Wänden geben Einblick in Müllers Interesse an der stetigen Re-Organisation und Re-Medialisierung einzelner Werkgruppen. Skulpturen tauchen als Zeichnungen auf, Filmstills und Fotos werden zu neuen Sinneinheiten montiert, visuell opulente «Mandala»-Paintings mit Dispersion geweisst. Es finden sich (auto-)aggressive Elemente. Die Werke im Raum operieren ähnlich: Auch sie entstammen diversen vergangenen Ausstellungskontexten, sind Fragmente aus bestehenden Werkzusammenhängen. Ein Verkehrshut aus einer Ausstellung ist halbiert und in Glas gegossen. Material eines Workshops mit Kindern liegt herum. Glänzende neue OBI-Eimer und Ballons reflektieren unseren Blick.
Die Ausstellung liesse sich so auch als Reihe von «Anekdoten zu einer Topographie des Zufalls» (Daniel Spoerri) erzählen. Jedes Stück in der Ausstellung trägt eine Geschichte in sich, die sich den zugewandten Betrachter:innen erschliessen liesse wie bei einem tableau-piège. Sie verweisen auf vergangene soziale Interaktionen/symbolische Transaktionen. In Kaspar Müllers Ausstellung sind die Objekte in ihrer Stummhaftigkeit, in ihrer Nicht-Beredtheit, unheimlich präsent. Dieter Roth äussert sich 1968 im Vorwort der «Topographie anecdotée du hasard», die er ins Deutsche übertragen hat, zum menschlichen Umgang mit Objekten jedweder Art wie folgt und, wie mir scheint, abschliessend:
«So sorgen wir uns sehr, mal um den Kram (das Zeug vor unserer Nase), mal um das Zeug (den Kram in der Erinnerung). Mal um die Menschen mit ihrem ganzen Kram, mal um das ganze Zeug das die Menschen erzeugt haben, mal um die kramenden Menschen, mal um den menschlichen Kram, mal um die Menschen die in dem erzeugten Kram manschen, mal um die Krämer die die Menschen mit dem Zeug mischen. Und wir sorgen uns um die Menschen (die Krämer), und um die Krämer (die Menschen), und um uns selbst (die Menschen als Krämer) und nochmal um uns selbst (die Krämer als Menschen). Und der Kram (das ganze Zeug) sitzt uns: Mal vor der Nase (auf der Pelle), mal in der Erinnerung (im Kopf drin), mal im Haufen (unter dem Hintern), mal im Herzen (auf dem Magen), mal an der Wand (in dem Rahmen), mal in dem Buch (auf dem Papier), und man fängt an zu fragen, mal: ‹Ist meine Hand ein Kram, wie sie mir da immer so einen Haufen Zeug – und sich selbst dazu – vor die Nase hält?› und mal: ‹Ist mein Herz ein Zeug, wie es da so wackelt und zittert bei der Quetscherei mit dem Kram den ich mir drauflade – oder an den ich es immer dranhänge?› Man fragt, und man fragt, und man fragt z.B. ob denn alles Kram wird was man berührt, und seis nur mit der Zunge? Und ob einem seine Zunge eines Krämers Hand ist? (Was die berührt, das wird ein Gewicht, wenigstens so schwer wie Druckerschwärze. Das wird zu Stein, und seis auch einmal Fleisch und Blut gewesen.)»(2)
(1) Die Ausstellung ist die Dritte mit diesem Titel und folgt in der Anlage den vorherigen Ausstellungen in der Galerie Vavassori in Mailand (Maintenance 2, 2022, und Maintenance, 2017).
(2) Daniel Spoerri, Anekdoten zu einer Topographie des Zufalls. Enthaltend die mit Hilfe von Daniel Spoerris gutem Freunde Robert Filliou aufgezeichnete französische Originalversion und das Anekdotenallerlei seines guten Freundes Emmet Williams aus der amerikanischen Version, alles übersetzt und mit weiteren Anekdoten angereicht von seinem ebenso guten Freunde Diter Rot und verlegt bei Luchterhand, Neuwied/Berlin: Luchterhand (Edition Otto F. Walter) 1968, S. 6f.
Arthur Fink, 27 August 2026

Kaspar Müller
Kaspar Müller born in 1983 in Schaffhausen, lives and works in Basel







