So fordert der Künstler das Gesetz heraus

by Simon Baur
Basler Zeitung
22 June 2022
Deutsch

Ein Österreicher stellt aus Heimo Zobernigs Werke bewegen sich auf der Grenze zur Illegalität. Bis Ende Woche noch hat man in der Galerie Krupp eine der raren Gelegenheiten zur Besichtigung.

Heimo Zobernig ist ein österreichischer Konzeptkünstler. Bewusst zeigt er in der Galerie Nicolas Krupp Bilder und Möbel, die 2010 und früher entstanden sind. Er überträgt die aus der Musik bekannte Methode des Samplings auf die Kunst und inszeniert mit älteren Arbeiten neue Raumsituationen. Mit solchen «Re-Edits» stellt er den materiellen Wert und die Objekthaftigkeit von Kunst infrage. Diese ist für ihn vor allem ein Kommunikationssystem, das die gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen Menschen und Produkten thematisiert.

In Anlehnung an Robert Indianas ikonischen «Love»-Schriftzug hängen an den Wänden grossformatige, quadratische Bilder, auf denen die Worte «Real» und «Egal» zu lesen sind. Die sich reimenden Begriffe in Grossbuchstaben sind gleich lang und erfüllen somit die geometrischen Voraussetzungen für eine doppelte Überlagerung.

Subversive Methode

Im selben Raum finden sich fünf weisse Sellex-Stühle von 1983 und ein dreibeiniger Stahltisch mit Spiegelglasplatte. Daneben steht ein Stuhl von Jasper Morrison, ein goldenes Unikat, das Heimo Zobernig an der Unterseite eigenhändig signiert hat, um so die alleinige Urheberschaft des Stuhldesigners infrage zu stellen. Diese subversive Methode wird in der Kunst immer wieder angewendet, ist aber nicht unbestritten und könnte die Kunstschaffenden durchaus mit dem Gesetz in Konflikt bringen. Bereits 2019 hat Zobernig im Albertinum in Dresden drei Zeichnungen von Piet Mondrian in eine räumliche Installation umgewandelt und dabei die Grenzen der Legalität ausgereizt. Mit einem solchen Vorgehen verunsichert Heimo Zobernig den Betrachter und die Betrachtering, die daran zweifeln, ob diese Möbel Kunst sind.

Die Worte «Real» und «Egal» auf den Bildern helfen weiter. Während «Real» eine Behauptung aufstellt, relativiert das spiegelverkehrte «Egal» diese postwendend. Die rhetorische Figur von These und Antithese ist der eigentliche Motor von Heimo Zobernigs Vorgehen und lädt ein zum unverkrampften und spielerischen Umgang mit Kunst. Ohne dabei mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Cover Image: Heimo Zobernig, Untitled, 2017, acrylic on canvas, 200 x 200 cm